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Heinz Görgens Abschiedsvorstellung

Der Elektromeister zog 45 Jahre lang die Fäden bei den Feiern der Elektro-Innung und war Ideengeber bei der Lossprechungsfeier. Jetzt aber geht er in Ruhestand

Heinz Görgens hat seine „Abschiedsvorstellung“ gegeben. 45 Jahre lang war der Elektromeister Spiritus Rector der Elektroinnungs-Feiern und bei der Lossprechung der neuen Gesellen. „Bei der Lossprechungsfeier in diesem Jahr habe ich ein T-Shirt mit der Aufschrift: ‚Endlich, ich gehe in den Ruhestand‘ getragen“, verrät Görgens. „Ich freue mich, wenn der neue Innungsobermeister die Tradition mit neuen Ideen fortsetzt.“

Görgens war nicht nur der Mann, der fast ein halbes Jahrhundert die Fäden der großen Elektroinnungsfeste zog und die Bühnenkünstler engagierte und betreute, er war auch Ideengeber der Lossprechungsfeier. „Als ich Lehrlingswart der Innung wurde, bekamen die jungen Gesellen den Gesellenbrief einfach per Einschreiben zugesandt“, erinnert sich Görgens. „Für so ein bedeutendes Ereignis im Arbeitsleben fand ich das viel zu unpersönlich. Das wollte ich ändern.“ Also überzeugte er den damaligen Innungsvorstand davon, einen fröhlich-feierlichen und doch ungezwungenen Akt aus der Lehrlingslossprechung zu machen.

Die Premiere fand 1976 statt. Damals noch in kleinem Kreis. „Im Haus Krone an der Bilker Allee kamen 25 Lehrlinge bei einem kleinen Buffett und einem Stehgeiger als Bühnenprogramm zusammen“, meint Görgens lächelnd. „Obwohl das Buffet innerhalb von 15 Minuten leer gegessen war, wir hatten uns mit der Menge der Speisen gehörig verschätzt, war es doch ein Erfolg. Damit war die Lehrlingslossprechung endgültig geboren.“

Bereits die zweite Feier unter seiner Regie sorgte für eine der schönsten Erinnerungen. „Um die kleine Bühne etwas schöner zu gestalten, hatten wir Pflanzkübel mit Stiefmütterchen besorgt. Die haben wir am Ende unter den neuen Gesellen verlost. Die sind dann mit den Stiefmütterchen Huckepack durch die Altstadt gezogen“, so Görgens. „Das Bild werde ich nie vergessen.“

Unter der Regie des in Flingern aufgewachsenen gebürtigen Düsseldorfers wuchs und gedieh das Fest prächtig. Die größeren Säle (Schlösser-Saal, alter Radschläger-Saal, Rheinterrasse) wurden gebucht, die Programme wurden mutiger und gaben auch unbekannten Künstlern eine Chance. „1980 habe ich mit ‚Madame Gigi‘ eine Travestie Truppe verpflichtet. 1980 war das noch ein Wagnis, aber ich hatte mir ‚Madame Gigi‘ vorher angesehen und für gut befunden“, erinnert sich der Träger des Bundesverdienstkreuzes.

„Ein Jahr später war Wolfgang Petry unser Gast. Den kannte damals noch kaum jemand.“ Und der Sänger rettete sogar den Abend. „Als Stargast hatten wir eine Sängerin eingekauft, die dem Sekt stark zusprach und ihren zweiten Auftritt nur noch Playback machen wollte. Das passte aber nicht mehr. Also ist Wolfgang Petry kurzerhand nochmal live eingesprungen“, erzählt Görgens. „So sind auch zu vielen Künstlern persönliche Beziehungen entstanden.“

Und Görgens, der auch neun Jahre Innungsobermeister war und seit 2005 Ehren-Oberinnungsmeister ist, sorgte dafür, dass sich die Künstler in Düsseldorf wohlfühlten. Er buchte nicht billige Hotels und betreute „seine“ Künstler persönlich. „Seit einigen Jahren ist es für mich wichtig, junge Künstler, die so alt sind wie die neuen Gesellen, auf die Bühne zu bringen. Dafür habe ich Kontakt zur staatlichen Artistenschule in Berlin aufgebaut“, erklärt Görgens. Das förderte wiederum die persönlichen Beziehungen, denn in Düsseldorf hatten viele Artisten nach ihrer bestandenen „Gesellenprüfung“ ihren ersten Auftritt.

Das machte sich in diesem Jahr wieder bezahlt. „Uns ist kurzfristig ein Act ausgefallen. Da habe ich die Funky Monkeys angerufen, und sie sind direkt nach einem Auftritt in Berlin losgefahren, um am nächsten Abend bei uns dabei sein zu können“, so Görgens. Der 79-Jährige war über Jahrzehnte hinweg der Garant für eine fröhliche, stimmungsvolle und angemessene Lossprechungsfeier, stand u.a. als Parodist der Wildecker Herzbuben selber auf der Bühne.

„Ich stehe zu 100 Prozent zu dem, was ich organisiert habe. Für mich hat alles super geklappt“, resümiert Görgens. „Aber wir haben jetzt einen neuen Vorstand, der eventuell auch eigene Pläne hat. Dem will ich nicht im Wege stehen.“ Unbestätigten Gerüchten zufolge soll von Innungskollegen bereits die Aufforderung ergangen sein, Görgens möge doch weiter machen.

Quelle: Rheinische Post vom 22.05.2019